Gedanken im August

Nach Arthur Schopenhauer durchläuft jedes Problem bis zu seiner Anerkennung drei Stufen. Zuerst wird es kaum beachtet oder lächerlich gemacht. Als nächstes wird es bekämpft. Und zuletzt gilt es als selbstverständlich.

Denke ich nun über eines der aktuellsten Themen unserer Zeit nach, die Coronakrise, sehe ich durchaus eine Übertragbarkeit Schopenhauers Theorie.

Am Anfang der Krise, als Corona noch weit entfernt war, konnte man sich über die chinesische Regierung amüsieren, die innerhalb weniger Tage ganze Krankenhäuser bauen ließ. Das Virus – angeblich nicht schlimmer als eine Grippe. Kein Grund auf den Fasching oder auf Après-Ski Partys zu verzichten.

Schließlich in unserer Mitte angekommen, wurde der Ernst der Lage klar. Der Kampf begann zunächst mit Verhaltensempfehlungen, bis hin zum totalen Lockdown des öffentlichen Lebens. - Gelacht wurde nicht mehr.

Doch der Kampf gegen das Virus stellte sich nicht als alleiniges Kampfgeschehen heraus – viele Nebenschauplätze entstanden. Es wurde gegen Coronaleugner, gegen Virologen, gegen Politiker, gegeneinander im Supermarkt, vor der Kita oder Schule gekämpft, um nur einige wenige zu nennen.

Ich frage mich nun, ob wir schon in der dritten Phase Schopenhauers angekommen sind? Zumindest befinden wir uns, so scheint es mir, in einem Übergang.

Ja, die Forscher kämpfen weiterhin für uns. Kämpfen darum wirksame Medikamente zu entwickeln. Und sicherlich gibt es daneben noch viele weitere Kämpfe wie z. B.  Unternehmen oder auch Einzelpersonen, die durch die Krise in eine wirtschaftliche Not geraten sind und sie zu überstehen versuchen.

Ich habe dennoch das Gefühl, dass zumindest in unserer Gesellschaft, die wir uns über ein hervorragendes Gesundheitssystem und eine sachliche Regierung glücklich schätzen dürfen, eine Resignation stattfindet.

Das Virus ist da und wird nicht gehen. Eine wirksame Impfung gibt es noch nicht.

Aber… wir haben sauberes Wasser, mit dem wir uns waschen und schützen können, es gibt ausreichend Mund- und Nasenbedeckungen, Veranstaltungen werden neu gedacht und zum Teil auch durchgeführt, die Kinder dürfen mit Einschränkungen zurück in den Kindergarten und die Schule.

Eine neue Normalität stellt sich ein, eine neue Selbstverständlichkeit.

Wichtig im Problemlösungsprozess ist denke ich für neue Ideen offen zu sein und bereit sein, andere Ansichten verstehen zu wollen. Ganz ähnlich wie es in den Sprüchen heißt: „Ein verständiges Herz erwirbt Einsicht, und das Ohr der Weisen sucht Erkenntnis.“ (Sprüchen 18, 15)

Und tröstlich scheint mir, dass uns Jesus zwar nicht aktiv von unseren Problemen und Sorgen befreien kann, aber er kann mit uns gehen und die Last ein Stück mittragen, uns erfrischen… „Kommt her zu mir, alle, die ihr mühselig beladen seid; ich will euch erquicken.“ (Mt 11,28)

Amen

Annekatrin Schulze

Bezirksjugendreferentin