Tobias Comtesse ist für viele im ejgp ganz selbstverständlich und „schon immer“ Jugendpfarrer. Jetzt wechselt er die Pfarrstelle: Von der Kirchengemeinde Göppingen geht´s in die Diakoniepfarrstelle des Kirchenbezirks. Nadine führte ein Gespräch mit ihm.
Nadine: Tobias, am 23.03.2011 wurdest du in das Amt des Bezirksjugendpfarrers eingesetzt, beim Gottesdienst an der Delegiertenversammlung in Uhingen. Damals warst du noch Pfarrer in der Eislinger Christuskirchengemeinde. Warum hast du damals JA zum Amt des Jugendpfarrers gesagt?
Tobias: (lacht) Ich war mit Jens (Veil) und Markus (Vogel) Pizza essen in Eislingen – das war nett. (Anmerkung NW: Das waren damals die Vorsitzenden des ejgp.) Ich hatte immer den Schwerpunkt Konfiarbeit, auch damals in Eislingen, und so den Bezug zu Jugendlichen. Ich kannte die Jugendpfarrerin in Stuttgart – was sie erzählte, klang spannend. Ich hatte schon Respekt vor dem Amt – aber dachte: Probier´s!
Wenn man so ein Amt innehat, muss man das ja irgendwie definieren – was ist das, ein Bezirksjugendpfarrer?
Ich hatte selbst keine typische Karriere in der Jugendarbeit. Das merkt man vielleicht auch daran, wie ich mein Amt gefüllt habe. Das Jugendpfarramt ist ein Amt zwischen allen Stühlen – ein Teil des Jugendwerks, aber irgendwie auch nicht. Ich wollte die Perspektive der Gemeinden mit einbringen in die Jugendwerksarbeit – und bei den Pfarrkolleg*innen die Gedanken des Jugendwerks.
Man ist irgendwie für die „ganze Jugendarbeit“ zuständig – soll auch die Jugendlichen außerhalb des Jugendwerks im Blick haben, in CVJMs, Kirchengemeinden, aber auch in „außerkirchlichen Jugendarbeitssystemen“.
Das habe ich gemerkt: Die Diskussionen z. B. um das Arbeitsfeld „Jugendarbeit und Schule“ hast du intensiv begleitet und dort auch Schwerpunkte gesetzt.
Ich erinnere mich, dass wir 2013 und 2019 Bezirkssynoden gestaltet haben. Als ejgp wollten wir die Kirchengemeinden ins Gespräch bringen: Wohin kann und soll sich Jugendarbeit in den Gemeinden entwickeln? Vor allem 2013 stand im Raum: die Zahl der Jugendlichen nimmt demografisch dramatisch ab und Angebote wie bisher laufen wegen der Ganztagesschule nicht mehr. Oli Frank hat damals vieles in der Schulkooperation ausprobiert. 2014 entstanden dann die ersten Werkstatttage. Ein Angebot für Schulklassen. Die Idee: Einen ganzen Tag in der Kirche sein. Und das als Freiraum erleben. Kreativ im Kirchenraum mit sich selbst, einem Thema und auch dem Glauben in Kontakt kommen. In diesem Jahr sind es die 12. Werkstatttage – seit 2017 erweitert zu den Jugendkulturtagen. Durch Kooperation mit vielen Partnern entsteht ein breites Angebot an Veranstaltungen, in dem Jugendliche ganz niederschwellig in Kontakt zur Kirche kommen und dort überraschende Erfahrungen machen.
Was war das coolste während deiner Jugendpfarrer-Jahre?
(Tobias lacht und überlegt) Cool ist da vielleicht der falsche Begriff: Zum Alltagsgeschäft gehörte, in den Sitzungen und Klausuren des BAK und des Vorstands mitzudenken. Dort und in den Delegiertenversammlungen, in den Freizeitteams, in den Fachausschüssen wie z.B. Konficamp oder JUGO und … habe ich so viele engagierte Mitarbeitende erlebt, die sich enorm einbringen. Dieses Engagement zu erleben und Teil davon zu sein und mich, so gut ich es kann, einzubringen, das ist für mich ein großes Geschenk. Da sind einfach auch langjährige Kontakte entstanden.
Und wenn ich sonst noch nach Highlights suche, dann kommt mir der Prüfungssegen in den Sinn: Manchen Jugendlichen hat es kurz vor den Prüfungen sichtlich gut getan hat, einen Segen zugesprochen zu bekommen.
Und der Rötenbachtag gehört dazu. Die Verbindung zwischen Gemeinden, mit dem Freundeskreis, über Generationen im Jugendwerk – das ist ein Schatz dieses Tages. Und die Freizeitmitarbeitenden für ihre Aufgaben zu segnen.
Das habe ich gemerkt: Die Aussendung der Freizeitmitarbeitenden in ihren Dienst war dir immer wichtig. Eine abschließende Frage: Wer auch immer der oder die nächste Bezirksjugendpfarrer*in wird: Hast du einen Tipp für diese Person?
Puuuuh. (überlegt länger) Dass er*sie Spaß dran hat! Interesse an dem, was Jugendliche wirklich beschäftigt. Eine Offenheit für unterschiedliche Ansätze und Frömmigkeiten ist wichtig. Und ein Herz dafür, Jugendliche zu bestärken, auch Glaubenstraditionen daraufhin zu hinterfragen, was wirklich weiterhilft im Leben. Zum Vertrauen ermutigen: Gott ist mit uns auf dem Weg.
Lieber Tobias! Mit diesem Vertrauen möchten wir dich auch auf deinen weiteren Weg schicken. Danke für alles, was du ins Jugendwerk eingebracht hast. Alle Ideen, alle Zeit und Energie. Für deine neue Aufgabe und allen Menschen, denen du dort begegnest, wünschen wir dir ein ebenso großes Herz. Gott befohlen!