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Monatsandacht März: Erreichbarkeit

Nach über einem halben Jahr taucht  da plötzlich diese rote 1 in WhatsApp auf: „Hallo du, wir haben ja schon ewig nichts mehr voneinander gehört! Wir müssen dringend mal wieder was unternehmen! Und was machst du eigentlich gerade so?“

Und ich denke mir nur: „Nein, nicht schon wieder – wenn wir uns sehen endet das immer nur im Streit und mindestens einer ist beleidigt.“ Aber natürlich schreibe ich das nicht so. Eigentlich ja auch eine ganz nette Idee, mal wieder was zu unternehmen. Aber dann ist da auch wieder diese typische Frage, die man sich immer stellen muss: Was man „gerade so macht“. Ich habe nicht das Gefühl, dass einen das wirklich interessiert.

Am Ende entscheide ich mich, ihm einfach gar nicht zu antworten. Wenn ich Glück habe, dann geht der Chatverlauf auch bei ihm einfach mit der Zeit wieder unter und er meldet sich frühestens in einem Jahr wieder. Aber so richtig wohl fühle ich mich nicht mit meinem Verhalten. Ich bin schließlich auch verletzt, wenn man mir einfach so nicht mehr antwortet. Direkt ins Gesicht sagen kann ichs ihm aber auch nicht, dass ich keine Lust habe, mich zu treffen.

Echt anstrengend immer, überall und für jeden auf dem Handy erreichbar zu sein…

Aber dann gibt es ja auch noch solche Nachrichten: „Lust heute Abend zusammen zu kochen und ein bisschen Gitarre zu spielen?“ Oder wenn es einem schlecht geht von Mama und Papa geschrieben bekommen: „Du kannst jederzeit vorbei kommen! Meld dich einfach!“

Solche Nachrichten lese ich und mir wird sofort warm ums Herz. Wie schön ist es, Menschen zu haben, die Tag und Nacht für mich da sind – nur ein paar Klicks auf dem Smartphone entfernt.

Aber andererseits, melden sich halt nicht immer genau die Richtigen, wenn ich es gerade brauche. Immer dann, wenn ich jemandem schreiben muss, dann kommt mir dieser Weg unheimlich weit und schwer vor: „Nerve ich, wenn ich mich spontan melde? Belaste ich andere mit meinen Problemen?“ Genauso wie es mich eben ab und an nervt, immer von allen erreichbar zu sein. Manchmal ist mir das eben nicht recht und ich verstehe, dass es auch meinen Freunden nicht immer Recht ist. Ich habe im Alltag schließlich auch anderes zu tun und muss mich fragen: „Wer darf meine Pläne durchkreuzen?“

Genauso wie es gut tut, die Zimmertüre zu Hause ganz bewusst zuzumachen und für meine*n Mitbewohner*in nicht erreichbar zu sein, tut es manchmal gut, am Telefon oder über WhatsApp zu sagen: „Hey du, gerade passt es mir nicht. Wir hören in ein paar Tagen nochmal voneinander, okay?“

Auch Jesus hat sich ab und zu zurückgezogen, um allein zu sein mit Gott.

Aber er ließ sich auch regelmäßig unterbrechen. Menschen, die in Not waren hatten dann – von  einem Moment auf den anderen – seine  volle und ungeteilte Aufmerksamkeit.

Besonders in Momenten, in denen mir die andauernde Erreichbarkeit zu viel ist oder ich mir nicht sicher bin, wann ich anderen zu viel bin, macht es mir Mut, zu wissen: Jesus schenkt mir seine VOLLE Aufmerksamkeit. Er kommt mir sogar mit offenen Armen entgegen. Das würde ich gerne noch ein kleines bisschen mehr lernen von ihm: Da sein für die Menschen um mich herum und für Gott.

 

Lukas Barak

(BAK-Mitglied)

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